Der Bayrische Kartoffelsalat gehört genau zu diesen Speisen. Wenn Oma in der Küche stand, die Kartoffeln dampften und das Essig-Öl-Dressing seine typische Würze verströmte, wusste man: Gleich kommt etwas auf den Tisch, das einfach nach Zuhause schmeckt.
Ich zeige dir heute mein bewährtes Rezept für bayrischen Kartoffelsalat wie bei Oma – ehrlich, unkompliziert und mit genau dem Geschmack, den man so schnell nicht vergisst.
Zutaten für 4 Personen
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1 kg festkochende Kartoffeln (z. B. Linda, Sieglinde oder Annabelle)
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1 kleine Zwiebel
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ca. 250 ml kräftige Gemüsebrühe
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3–4 EL milder Weißweinessig
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3 EL neutrales Öl (z. B. Raps- oder Sonnenblumenöl)
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1 TL mittelscharfer Senf
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Salz und frisch gemahlener Pfeffer
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1 Prise Zucker
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Etwas frischer Schnittlauch zum Bestreuen (optional)
Hinweis: Wer möchte, kann noch ein paar Gurkenscheiben oder knusprig gebratenen Speck untermischen – aber die klassische Variante kommt ganz ohne Extras aus.
Zubereitung für Bayrischer Kartoffelsalat
1. Kartoffeln kochen und schälen
Wasche die Kartoffeln gründlich und koche sie mit Schale in leicht gesalzenem Wasser. Sie sollten weich sein, aber nicht zerfallen – also besser ein paar Minuten früher prüfen. Nach dem Kochen das Wasser abgießen und die Kartoffeln etwas ausdampfen lassen. Wenn sie noch warm sind, lassen sie sich besonders gut schälen.

Sobald sie abgekühlt sind, schneidest du sie in nicht zu dünne Scheiben und gibst sie in eine große Schüssel. Noch nicht umrühren – das kommt später.
2. Zwiebeln dünsten
Schäle die Zwiebel und schneide sie in sehr feine Würfel. In einem kleinen Topf erhitzt du 1 EL Öl und lässt die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze glasig werden. Sie sollen weich sein, aber keine Farbe annehmen.

3. Dressing zubereiten
Zu den Zwiebeln gibst du nun die Gemüsebrühe, den Essig, Senf, eine Prise Zucker, Salz und Pfeffer. Das Ganze kurz aufkochen lassen und dann direkt vom Herd nehmen.

Wichtig: Das Dressing muss heiß sein, damit sich die Aromen mit den Kartoffeln verbinden können.

4. Alles zusammenführen
Gieße das heiße Dressing langsam über die Kartoffelscheiben. Jetzt kommt der wichtigste Schritt: Lass den Salat in Ruhe. Rühre ihn vorsichtig um – am besten mit einem Holzlöffel – und gib ihm dann mindestens 30 Minuten Zeit, damit er durchziehen kann.
Kurz vor dem Servieren das restliche Öl dazugeben und bei Bedarf nochmals abschmecken. Etwas fein geschnittener Schnittlauch rundet das Ganze optisch und geschmacklich schön ab.

Was macht den bayrischen Kartoffelsalat so besonders?
Im Süden Deutschlands schätzt man Klarheit – auch auf dem Teller. Während in anderen Regionen gerne Mayonnaise verwendet wird, ist der bayrische Kartoffelsalat ein Paradebeispiel für puren Geschmack. Essig, Brühe, Zwiebeln, ein Hauch Senf – das reicht, um aus einfachen Kartoffeln ein echtes Lieblingsgericht zu machen.
Noch ein Unterschied: Die Kartoffeln werden warm mariniert. Das sorgt dafür, dass sie das Dressing aufnehmen wie ein Schwamm. Das Ergebnis: ein wunderbar saftiger, würziger Salat, der auf der Zunge zergeht.
Wozu passt Bayrischer Kartoffelsalat?
So ein Salat ist ein echter Alleskönner. In Bayern wird er traditionell zu diesen Gerichten gereicht:
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Leberkäse mit Spiegelei – Ein Klassiker in der Wirtshausküche
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Würstl oder Fleischpflanzerl (Frikadellen) – Deftig und dezent zugleich
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Gegrilltes Fleisch – Ob Schwein, Rind oder Geflügel – der Salat harmoniert immer
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Einfach zur Brotzeit – Mit Radi, Käse und einem frischen Bauernbrot
Auch allein gegessen macht er sich gut – gerade an heißen Tagen, wenn einem der Sinn nach etwas Leichtem steht.
Omas kleine Geheimnisse
Oma hatte beim Kochen keine Eile. Und genau das war wohl ihr größtes Küchengeheimnis. Der bayrische Kartoffelsalat darf nicht hektisch zubereitet werden. Wer ihn schnell zusammenschüttet, bekommt keine Bindung, keinen Geschmack, keine Seele.
Sie wusste: Der Salat muss Zeit haben. Mindestens eine halbe Stunde, besser länger. Und wenn er über Nacht durchzieht, schmeckt er am nächsten Tag sogar noch besser.
Ein weiterer Trick von ihr: Sie hat das Öl erst ganz am Schluss untergehoben. So bekommt der Salat Glanz, ohne dass das Öl die Brühe verdrängt. Die Konsistenz bleibt weich, aber nicht matschig.
Häufig gestellte Fragen für Bayrischer Kartoffelsalat
Welche Kartoffeln eignen sich für bayrischen Kartoffelsalat?
Am besten sind festkochende Sorten, denn sie behalten beim Schneiden ihre Form und werden nicht mehlig. Linda, Sieglinde oder Nicola haben sich bestens bewährt.
Muss das Dressing wirklich heiß sein?
Ja, unbedingt. Nur wenn das Dressing heiß über die Kartoffeln gegossen wird, können diese die Aromen aufnehmen. Kalte Brühe würde nur außen anhaften und der Geschmack bleibt oberflächlich.
Wie lange kann man den Salat aufbewahren?
Im Kühlschrank hält sich der Salat gut zwei bis drei Tage. Wichtig ist, ihn luftdicht zu verschließen. Vor dem Servieren sollte er Zimmertemperatur haben – so entfaltet sich das Aroma wieder besser.
Ist der Salat auch vegan?
In der Grundversion: ja. Es sind keine tierischen Produkte enthalten, solange du pflanzliche Brühe und Öl verwendest. Zusätze wie Speck oder Fleischbrühe wären natürlich nicht vegan.
Der Salat ist zu trocken geworden – was tun?
Einfach etwas warme Brühe und ein paar Tropfen Öl unterrühren. Dabei vorsichtig sein, damit die Kartoffelscheiben nicht zerfallen. Oft reicht schon ein kleiner Schuss Flüssigkeit, um die perfekte Konsistenz wiederherzustellen.
Fazit
Ein guter Bayrischer Kartoffelsalat braucht keine Showeffekte. Er überzeugt durch seinen Geschmack, seine Schlichtheit und seine Wurzeln in der bäuerlichen Küche. Wer ihn mit Sorgfalt zubereitet und ihm Zeit gibt, wird mit einem echten Lieblingsgericht belohnt.
Ich mache diesen Salat seit Jahren nach dem gleichen Rezept, das mir meine Großmutter gezeigt hat. Und jedes Mal, wenn ich ihn serviere, ist es ein bisschen so, als säße sie mit am Tisch.
Probier’s aus – und vielleicht wird der Salat auch bei dir zu einem Stück kulinarischer Heimat.






